Fragen und Antworten – Teil 1

Ich beantworte ein paar Fragen, die aus euren Kommentaren stammen. Wie immer – ich kann nur aus meinen 8 Jährchen Berufserfahrung sprechen, in 15 Jahren beantworte ich die Fragen bestimmt wieder anders und sicher gibt es viele viele Lehrer da draußen, die mehr Ahnung haben als ich. Deswegen: Kommentiert gerne, teilt auch eure Tipps und Erfahrungen. Es geht mir um Austausch und das richtige für sich finden und nicht darum, den Weg aufzuzeigen.

 

The Rese hat gefragt:

Wie gehst du mit diversen „Ecken“ um (Rechtschreib-, Lese-, Mathe-,…)

Ich habe eigentlich nur eine Leseecke im Klassenzimmer. Dort liegt ein großer Sitzsack und ein Büchertower sowie eine kleine gepolsterte Sitzecke mit Tisch. Rechts daneben ist mein Materialschrank, auf dem ich aktuelle Freiarbeits-Sachen und Spiele aufbaue und am Gruppentisch spielen, malen, arbeiten und wuseln die Kinder in freieren Arbeitsphasen herum. Links auf dem Bild sieht man die Pinnwände, da habe ich je eine für Mathe, Deutsch und HSU. Da hängen aktuelle Sachen. Vorne neben der Tafel habe ich eine Pinnwand mit dem aktuellen Rechtschreib-Fall und den Lernwörtern. Das hatte ich auch schon in 3/4 immer so, das hat sich für mich bewährt. Wenn ich den Tafelflügel aufklappe, sind die Lernwörter dahinter verschwunden, Probe und so. Dann habe ich noch eine Computerecke mit zwei Rechnern, an denen die Kinder Antolin, Onilo und andere Lernsoftwares bespielen können.

Was ist mit Deko?

Ich habe fast keine Deko (mehr). Ich habe jahreszeitlich passende Fensterbilder am Fenster und meine Unterrichtsmaterialien sind für sich hübsch. Bei Regeln usw. achte ich darauf, dass sie schlicht und ansprechend gestaltet sind, bunt, aber nicht mega unruhig. Auf Muster oder unruhige Hintergründe verzichte ich, soweit möglich. Alles im Zimmer ist funktional. Wenn ich Herbstdeko möchte, male ich mit den Kindern ein tolles Herbstbild und hänge das an die große Kunst-Pinnwand hinten (die auf dem Bild gerade leer ist). Die große Ausnahme ist eine Lichterkette um den Türrahmen herum im Advent. Grundsätzlich habe ich es gerne schön, aber man kommt an den Punkt, wo einen der Krusch einfach nur nervt, mich zumindest.

Lisa und Manu haben gefragt

Wochenplan oder anderer Arbeitsplan oder Freiarbeit?

Ich bin kein Fan vom Wochenplan. Für mich steht der Aufwand in keiner Relation zum Nutzen. Vielleicht würde ich das in einem anderen Umfeld anders sehen. Hier bei mir, mit eher schwächeren Kindern, die fast alle nicht als Muttersprache Deutsch sprechen und 25 Kindern in der Klasse, habe ich nicht den Überblick. Jemand anders kann das vielleicht besser und schafft das. Ich bin mir sicher, dass mir ein paar durchflutschen würden, die dann die ganze Woche nichts oder nur Mist gemacht haben und würde dann am Wochenende beim Korrigieren die Krise kriegen. Klar, man kontrolliert unterwegs usw. alle Argumente schon gehört und ich habe es auch ausprobiert. Für mich war es nichts. Vielleicht mal, wenn ich in einer fitteren 3/4 wäre, würde ich dem ganzen noch mal eine Chance geben, aber nicht im Moment.

Was ich gerne und häufig mache sind Lerntheken mit Selbstkontrolle, die dann eben den Mathe-Unterricht in der Woche bestimmen (frontale Erklärphasen und Kopfrechnen usw. gibt es trotzdem). Da bekommen die Kinder dann einen Laufzettel von mir, den sie bearbeiten und können dann auch reflektieren, wie gut sie voran gekommen sind usw. Oder für eine kleine Zeitspanne (2 Schulstunden) schreibe ich ein paar kleine Aufgaben an die Tafel, die sie in dem Zeitraum geschafft haben müssen. Das reicht für 1/2 aus – zumindest für mich.

Generell würde ich raten, erstmal langsam zu tun und die Kinder erstmal kennen zu lernen. Es ist nichts falsch daran, eine Sache frontal und gut an der Tafel zu erklären. Öffnen kann man immer noch. Nichts schlimmeres, als wenn man es gut meint und die Kinder wild durcheinander wurschteln und man dann feststellt, 7 von denen schreiben den Buchstaben immer noch falsch oder eben beim Korrigieren feststellt, ich hab das nicht gut genug erklärt, keiner hats hinbekommen.

Julietta hat gefragt

Hängst du die (Klassen-)Regeln als Sätze auf oder hast du passende Bilder dazu? 

Ich habe die Sätze zu passenden Bildern meines Klassentiers gehängt. Es gibt aber auch verschiedene Angebote bei Verlagen und anderen Blogs. Eigentlich reicht ein Ohr, eine Hand die sich meldet und Kinder, die sich zugewandt sind bzw. ein Herz als Symbol.

 

Allgemein Thema Unsicherheit 1. Klasse

Die erste eigene Klasse ist total aufregend und ich freue mich jetzt auch wieder auf meine 1. Klasse. Ich liebe den ersten Schultag als Erstklasslehrerin und die neugierigen Kinder, die richtig Lust auf Schule haben (oder noch skeptisch sind – wahrscheinlich zu recht ;-)). Aber: man macht die ersten Tage nicht so viel: So viel Zeit geht drauf für Organisieren, Kennenlernen, Brotzeiten, Vorlesen, alles dauert ewig – wirklich ewig. Das heißt, man muss nicht in 2 Tagen komplett den Unterricht stehen haben für Wochen im Voraus. Es ist Zeit, sich mit Parallelkollegen auszutauschen, die einen da mitnehmen und unterstützen. Wenn man gar keine hat ist es doof, aber jeder kennt doch wen, der schon einmal eine erste Klasse hatte und der einen zumindest ein bissl beruhigen kann. Man kann ein paar Sachen basteln (Lesefächer, Klammerkarten usw.), aber viel mehr Sinn macht: sich mit der Fibel gut (!) vertraut zu machen, das Lehrerhandbuch auch mal zu lesen, zumindest bis zum 1. Buchstaben. Wenn man keine Fibel hat, dann sich in dem System einlesen, das an der Schule durchgeführt wird.

Den Lehrplan mal anschauen: Hier in Bayern muss jede Schule einen Stoffverteilungsplan haben. Den kann man sich schonmal holen und durchlesen. Man muss sich dann ja nicht dran halten sklavisch, aber das kann Sicherheit geben. Auch in Mathe kann man sich ja auch am Mathebuch und dem Lehrerband dazu orientieren. Das mache ich immer so und bin bisher damit wunderbar klar gekommen. Niemand muss das alles selbst oder neu erfinden. Also weniger Basteln, lieber Rituale und Bewegungspausen gut bereit legen und mal an den Basics bleiben (Lehrwerke, Lehrpläne). Das gibt Sicherheit und Basteln kann man immer noch genug.

 

 

Hilfreich oder total geplättet?

Wenn ihr was damit anfangen könnt, können wir das gerne nochmal so machen.

Postet gerne Tipps und Ergänzungen oder weitere Fragen in die Kommentare.

*Liebe Grüße, Frau Locke*

 

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5 Antworten

  1. Manu sagt:

    Vielen lieben Dank für deine hilfreichen Antworten. Das beruhigt schon ein wenig 🙂
    Mit Wochenplan sehe ich es genauso wie du. Ich glaube auch, dass mir viele Kinder durchrutschen, da ich in meiner Klasse auch viele nichtdeutsche Kinder habe.

    Was hast du denn für Rituale und Bewegungspausen?

    Vielen Dank für deine Mühe!!!

  2. The Rese sagt:

    Vielen Dank für deine Antworten! Es bestätigt mich, auf einen guten Weg zu sein. Auch ich habe in den letzten Tagen viel dran gesetzt, mir zu überlegen welche Rituale ich will und wie diese aussehen sollen-und wie eben nicht. Ich bin eher der unstrukturierte Typ, weiß aber von meinen Kindern (1,4,5), wie wichtig die Rituale und der immer gleiche Ablauf ist.

  3. Miriam sagt:

    Hallo,
    ich habe dich vor 4 Jahren entdeckt, als ich meine erste „Eulenklasse“ bekommen habe und war begeistert von deinen Eulenschildern. Nun bekomme ich wieder eine „Eulenklasse“. Leider finde ich die kleinen Eulenschilder nicht mehr und die pub-version funktioniert bei mir überhaupt nicht 🙁
    Kannst du mir vielleicht weiterhelfen? Liebe Grüße Miri

  4. Cathi sagt:

    Ich würde wirklich sehr gerne wissen, wie du deine tollen Bilder digitalisierst (zu Clip-Arts machst). Du zeichnest es ja erstmal normal auf Papier oder? Über ein Antwort würde ich mich sehr freuen! Danke!!

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