Anleitung für ein Lernbüro

Wieso braucht man das überhaupt?

Schon seit einigen Jahren liebäugele ich immer mal wieder mit schönen, neuen Lernbüros für meine Klasse und habe das Projekt dann aber doch immer wieder auf die nächsten Ferien verschoben. Bisher hatte ich die üblichen Trennwände in Gebrauch, wie man sie zum Proben schreiben eben so hernimmt. Wenn man mehr als eine Trennwand aufstellen möchte, brauchen die ganz schön viel Platz und am Einzeltisch stürzen die sowieso schnell mal ab. Durch die Pandemie hatte ich jetzt aber lange nur die halbe Klasse im Zimmer und da war der Abstand eh schön groß und alle hatten viel Platz und Ruhe, einfach weil nur die Hälfte an Menschen da war.

Nach den Ferien sieht es jetzt eben ganz danach aus, als wären endlich alle Kinder wieder da und ich fürchte, die Gewöhnung zur vollen Klassengröße (bei mir 25 Kinder) zurück, wird gar nicht so ohne sein. Daher hatte ich mir letzte Woche fest vorgenommen, die Lernbüros endlich umzusetzen.

Wofür braucht es die überhaupt? Nein, natürlich „braucht“ es sie gar nicht. Auch ohne sie wird der Unterricht gelingen können. Trotzdem gibt es im Unterrichtsalltag immer wieder die Situation, dass ein Kind noch in Ruhe fertig arbeiten möchte bzw. soll, eine Probe wird nachgeschrieben oder zwei Personen möchten sich mal zusammen zurückziehen, ohne dass sie das Zimmer verlassen können.

Mein Zimmer dieses Jahr ist echt klein. Das Pult steht seitlich und die Schülertische passen überhaupt nur frontal rein. Ich habe echt lange umgestellt und rumprobiert. Sonst hatte ich immer Gruppentische in 1/2 und fand es ganz toll und sinnvoll, aber keine Chance. Dazu kommt, dass ich keinen einzigen Ausweichplatz im Zimmer oder vor dem Zimmer habe, an den ich mal einzelne Kinder setzen könnte, um Ihnen etwas Ruhe und Abstand zu gönnen.

Zu Beginn der 1. Klasse war das kein Problem. Da arbeiten die Kinder ohnehin noch nicht so selbstständig und man hat auch als Lerngruppe irgendwie andere Sorgen.

Jetzt aber kann ich mir vorstellen, dass ich die Lernbüros häufiger gezielt einsetzen werde und somit einzelnen Kindern eine reizarme und gemütlich-abgeschlossene Lernumgebung anbieten kann.

Warum so und nicht anders?

Auf Instagram gibt es die Lernbüros in verschiedenen Ausführungen. Ich habe den Hashtag #lernbüro immer mitverfolgt und in letzter Zeit werden die Lernbüros immer massiver. Häufig werden sie aus Holz mit Winkeln gebaut und erhalten zum Teil sogar noch Anbauten (Stiftehalter, Bildchen, Kopfhörer). Dicke Holzplatten kommen für mich nicht in Frage. Es wird nicht lange dauern und dann ist der erste Kopf oder Finger zu Schaden gekommen und darauf habe ich keine Lust. Hinzu kommt – ich habe im letzten Jahr ja erst mein langjähriges Klassenzimmer ausgeräumt für meine mobile Zeit und es war richtig viel Zeug. Da jetzt noch mehr schwere, massive Einrichtungsgegenstände einreihen – das möchte ich einfach nicht. Das heißt nicht, dass es nicht bei anderen wunderbar funktionieren kann. Bestimmt hat es auch mit dem Alter der Kinder und der Raumsituation/den Lagermöglichkeiten zu tun. Für mich ist Holz einfach aktuell keine Option.

Häufig sieht man auch noch die Variante A3 Blatt mit A4 Flügeln (laminiertes Druckerpapier), verbunden mit zwei Ringbindungen. Die sehen super aus und die hätte ich mir genauso gut für mich vorstellen können. Hin und wieder kam da der Hinweis, dass sie dann doch nicht so stabil stehen und gerne mal zusammenklappen. So ein Ringbindegerät habe ich jetzt einfach auch nicht hier stehen. Dafür hätte ich extra in meiner Stammschule aufschlagen müssen, um es dort umzusetzen. Das war mir jetzt auch zu umständlich.

Am besten hat mir dann schlussendlich die geklebte Pappe bei @du.frau.be und @grundschulwolke auf Instagram gefallen und beim Bauen habe ich dann das Format spontan nochmal abgeändert. Meine Lernbüros sind jetzt aus drei A3 Bierfilzpappen geklebt und daher richtig hoch und wie eine „Kabine“. Farblich wollte ich unbedingt ganz hell und schlicht bleiben. Die Bierfilzpappen sind schön hell und leicht und das gelbe Klebeband bringt ein bisschen Farbe rein, ohne dass es gleich wieder „knallt“. Ich habe rundherum die Kanten verstärkt und mit den Foldback-Klammern kann ich schnell mal eine kleine Hilfe anbringen. Das möchte ich dann aber gezielt machen und nicht das Lernbüro schon im Voraus zukleben oder zuhängen. Es soll schließlich bei der Konzentration helfen und den Fokus auf die Arbeit lenken und nicht zum Betrachten und Verweilen einladen.

Material

In der Anleitung findet ihr alles ausführlich erklärt. Wenn man die Pappe durch die Rückseiten der A3 Malblöcke ersetzt und das Panzertape beim Discounter holt, hat man eine richtig günstige Low-Budget-Variante. Bei mir waren es ca. 4 Euro pro Lernbüro. Das war jetzt für mich auch ok.

Fazit

Ob das jetzt der Königsweg ist? Ich weiß es auch nicht, aber vielleicht helfen euch ja meine Überlegungen dabei, für euch zu entscheiden, was für eure Situation passt und was nicht. Mir zumindest hilft es, wenn ich viele Varianten sehe und auch die Überlegungen dahinter nachvollziehen kann. Berichtet auch gerne mal von euren Erfahrungen und Gedanken zum Thema Lernbüros.

Meine Inspirationen und Quellen auf Instagram waren @grundschulkrusch, @du.frau.be, @grundschulwolke, @primimarie, @mehilainen.blog, @die.koalaklasse, @laminierparty und viele, viele andere unter dem Hashtag #lernbüro. Danke für eure Bilder und Erfahrungsberichte!

Ich verabschiede mich dann jetzt erstmal wieder in die Ferien!

Liebe Grüße

Frau Locke

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Eine Antwort

  1. Ines sagt:

    Vielen Dank für die Anleitung😘

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